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Das Modell für den Waldelefanten des Oberfeller Steinzeitprojektes nimmt Gestalt an

Waldelefant

Waldelefant


Geschichte zum Anfassen: Oberfeller "Homis" haben ihr Lager aufgeschlagen

Oberfell - Das Moseltal vor 800 000 Jahren. Es ist früh am Morgen. Am Ufer des Flusses, der sich bei Weitem noch nicht so tief in die Landschaft gegraben hat wie heute, haben sich Menschen niedergelassen. Während eine Frau am Boden kniet und ein Feuer entfacht, steht ein Mann neben ihr. In der Hand hält er einen Speer. Gleich wird er auf die Jagd gehen und vielleicht einen Waldelefanten oder ein Wollnashorn erlegen.


Homo Erectus


So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, zur Zeit des Homo Erectus. Dass diese Vorfahren des Homo Sapiens an der Mosel gelebt haben, beweisen prähistorische Funde. Die Werkzeuge wurden Anfang unseres Jahrtausends auf dem Bleidenberg bei Ausgrabungen entdeckt und sind seither im Alten Pfarrhaus in Oberfell zu sehen. Und damit es auch an der Fundstelle selbst etwas zu sehen gibt, lässt die Gemeinde den Metallbaumeister Jürgen Berens dort eine Lagerstätte dieser Urmenschen nachbauen. Das an ein Iglu erinnernde Zelt steht schon seit etwa zwei Jahren. Zwei Nachbildungen des Homo erectus wurden jetzt bei einer kleinen Feierstunde enthüllt.

Die „Homis“, wie die Oberfeller ihre Steinzeitmenschen liebevoll nennen, sollen zu einer weiteren Attraktion des Themenwanderweges „Zeitreise“ werden. Der Weg führt von Oberfell nach Alken. Auf gut neun Kilometern gibt es 800 000 Jahre Menschheits- und Siedlungsgeschichte zu entdecken – von der Steinzeit über die Zeit der Kelten bis ins Mittelalter.
Ortsbürgermeister Gottfried Thelen ist sich sicher: „Die Lagerstätte ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Region.“ Seines Wissens ist das Ensemble deutschlandweit die einzige Nachbildung einer Behausung des Homo erectus. „Im thüringischen Bilzingsleben gibt es zwar eine Fundstätte, aber keine Rekonstruktion“, sagt der Ortschef. Das es in Oberfell auch damit geklappt hat, ist unter anderem der Europäischen Union zu verdanken: Aus dem Leader-Programm, mit dem innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden, hat Oberfell Fördermittel von rund 33 000 Euro erhalten, und konnte so die Gesamtkosten 56 000 Euro stemmen.

Der Anspruch: Die Figuren sollten, sagt Thelen, nicht nach Zeichentrick aussehen, sich in die Landschaft einfügen. Diesem Anspruch gestellt hat sich Metallbaumeister Jürgen Berens aus Kail. „Es war schon eine besondere Herausforderung“, sagt er. „Da brauchte es viel Vorstellungskraft.“

Trotzdem verließ sich Berens nicht nur auf seine Fantasie. So sind die Figuren mit etwa 1,60 Metern genau so groß, wie sie laut Forschung waren. Sie tragen keine Kleider. Ihre Werkzeuge entsprechen denen der damaligen Zeit. Berens arbeitet sonst viel mit Edelstahl und fertigt zum Beispiel Möbel oder Tore und Gitter für den Bau. Für die „Homis“ hat er sich für Corten-Stahl entschieden. Das Material gilt als extrem wetterfest und bildet sofort eine Patina. Die Figuren haben deshalb schon jetzt einen warmen, rötlichen Braunton. „Alle fünf bis sechs Jahre werden wir sie wachsen, dann halten sie ewig“, erläutert der Metallbaumeister.

Quelle: Rheinzeitung / Foto: Angela Kauer